Rainerle


Wie scheiße ist denn das bitte?

Eine junge Stern-Journalistin gräbt den friedlich in einer Weinpfütze schlummernden Liberallalla Rainer Brüderle in einer Hotelbar an, um ein paar Informationen aus ihm herauszukratzen. Raus kommen aber nur eine ebenso geist- wie harmlose Bemerkung zum Äußeren der Frau und ein Handkuss. Nichts, was man als Film sehen möchte, und auch ansonsten reichlich uninteressant, sollte man meinen. Aber weit gefehlt!

Die seit Jahrzehnten an völligem Realitätsverlust leidende Alice Schwarzer ("Frauen haben eine geringere Lebenserwartung als Männer.") sieht naturgemäß den Mann als den Schuldigen, und fabuliert, endlich würden auch einmal die Männer beschuldigt (Frau Schwarzer wohnt übrigens in Köln, nicht in Süd-Afghanistan). Claudia Roth vom Sexistinnen-Flügel der Grünen krakeelt, es müsse unbedingt etwas gegen Sexismus in der Politik getan werden. Leider meint sie damit wohl nicht, dass sie sich selbst abschaffen will.

Ob die FDP sich selbst abschaffen will, weiß keiner so genau, sicher ist nur, dass sie es tut, auch ohne Rainerle-Gate. Dass die Journalistin zufällig ein Jahr nach dem weinseligen Gespräch und just nach der Kür Brüderles zum Spitzen-Kanditaten für die Bundestags-Wahl ihre Erlebnisse veröffentlicht, läßt eher darauf schließen, dass es dem Stern mit der Selbstdemontage der FDP nicht schnell genug geht, als dass die Journalistin ein traumatisierendes Erlebnis endlich publik machen will. In ihrer eigenen Darstellung hat sie natürlich im Gespräch immer strikt auf Professionaliät gepocht. Darum hat sie vermutlich auch im Januar über das hoch-politische Thema Oktoberfest gesprochen. Aber Frau Himmelreich, so ihr malerischer Name, hat in einem Artikel über homosexuelle Politiker ja auch schon durchblicken lassen, dass homosexuelle Männer als Spitzenpolitiker Karriere machen können, weil Frauen keine Probleme mit ihnen hätten, wogegen homosexuelle Frauen dann im Umkehrschluss wohl von Männern nicht akzeptiert, und deshalb auch nicht in politisch Spitzenämter gewählt würden. Ist es der hoch-professionellen politischen Journalistin Himmelreich entgangen, dass nach deutschem Wahlrecht Männer auch von Männern, und Frauen auch von Frauen gewählt werden dürfen? Egal, Hauptsache ist, Schuldsein bleibt Männersache.

Aber das sind nur die üblichen Schlammschlachten im Wahlkampf, Schwarzer und Roth nur die ewig gestrigen, die die Realität gnadenlos an ihr vorgefertigtes Weltbild anpassen. Was mich wirklich umhaut ist, wie viel öffentliches Interesse dieser doch wohl ziemlich lächerliche Vorfall hervorruft. Auf Twitter ist das Thema seit Tagen ungeschlagene Nummer eins, und jeder, bzw. vor allem jede, muss davon berichten, wie sie auch schon einmal "belästigt" wurde. Ist es irgendwie cool, auch mal belästigt worden zu sein, dass eine schon eher als plumpes Kompliment durchgehende anzügliche Bemerkung als Belästigung zählt? Komischer Weise sind immer die Männer die Bösewichte, obwohl meiner Erfahrung nach eher Frauen die erste Anzügliche Bemerkung in einer Rund machen, gerade weil es nie jemand wagen würde, ihnen einen Vorwurf daraus zu machen. Denn als Mann kann man bei dem Thema grundsätzlich nur verlieren. Wenn es um Sex geht, ist man als Mann ja ohnehin Pauschal-Schuldiger. Wenn dieser üble Gewohnheit jetzt auch noch auf jede Andeutung in einem Gespräch ausgedehnt wird, kann mich Deutschland endgültig mal kreuzweise.